Hauptvorträge

"Digitaler Zwilling der Ostsee"

Uwe von Lukas
Das Konzept Digitaler Zwillinge ist aktuell in aller Munde. Gerade im Kontext komplexer technischer Systeme nutzt man heute bereits einen  integrativen Ansatz für Modellierung, Echtzeitdatenerfassung, Datenanalyse und Simulation, um Inbetriebnahme und Betrieb zu optimieren. Der Vortrag zeigt, dass auch von komplexen natürlichen Systemen ein Digitaler Zwilling erstellt und in zahlreichen Anwendungsfällen nutzbringend eingesetzt werden kann. Neben der Informatik bedarf es dazu jedoch verschiedener anderer Disziplinen wie beispielweise der Elektrotechnik, Meerestechnik, Meeresbiologie und Betriebswirtschaft. Am Beispiel des Digital Ocean Lab, einer ca. 2.500 Hektar großen Forschungsinfrastruktur vor der Küste Rostocks, werden ausgewählte Facetten des Digitalen Zwillings der Ostsee beleuchtet und auch der Bogen geschlagen zur aktuellen UN-Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung.


"Hätte ich gewusst, dass dies Informatik ist, dann hätte ich …"

Dr. Dorothee Müller
Prof. Dr. Ludger Humbert
Informatikfachdidaktik benötigt eine wissenschaftliche Basis, die weder aus der allgemeinen Didaktik noch aus anderen Fachdidaktiken entlehnt wird. Diese Basis gründet einerseits in den besonderen Gegenständen (Inhalten und Methoden) und Arbeitsweisen der Wissenschaft Informatik und andererseits in didaktischen  Grundlagen einer fachlichen Bildungstheorie wie zum Beispiel lebensweltliche Informatikerfahrungen. Anlässlich der INFOS 2017 in Oldenburg formulierte Hilbert Meyer:

„Es ist an der Zeit, dass sich die Informatikdidaktik aus der Abhängigkeit von der Allgemeindidaktik befreit und sich ihre bildungstheoretischen Grundlagen selbst erarbeitet.“

Aus dieser Anforderung ergeben sich eine Reihe von Fragen wie:
  • Zu welchem Ziel benötigt die Informatikfachdidaktik eine eigene unabhängige bildungstheoretische Grundlage?
  • Welche Bezüge zu allgemeinen Bildungstheorien bieten sich für diese Grundlage an?
  • Welche Konsequenzen hat die Basis für Forschung und Weiterentwicklung der Informatikfachdidaktik?
  • Wie wird eine eigenständige wissenschaftstheoretische Grundlage die Lehrkräftebildung und die Entwicklung der informatischen Bildung in unseren Gesellschaften beeinflussen?
Mit diesem Fragenkomplex setzen wir uns aus informatikdidaktischer Sicht auseinander. Dabei greifen wir unter anderem auf die fundamentalen Ideen von Andreas Schwill, das Modellierungsansinnen der Informatik (und ihrer Didaktik) und die informatische Literalität (Phänomenbereiche unter informatischer Perspektive) zurück. Zur Einordnung und Einlösung der besonderen Ausformung informatikbezogener Bildungsprozesse werden Verbindungen zur Bildungsgangdidaktik nach Meinert Meyer unter Berücksichtigung  philosophischer Klärungsprozesse zu »Wissen in den informatisierten Gesellschaften« (Jean-François Lyotard) hergestellt.

Quelle für das Zitat: Meyer, H. l. (2017, September 14). Unterrichtsqualität in der digitalen Welt: Skript des Vortrages von Hilbert Meyer auf der INFOS2017. https://t1p.de/uypz

"Bringing rearch to practice: opportunities in computing education"

Dr. Sue Sentance

In recent years we’ve seen an increasing global interest in making computing education a core part of schooling. Stimulated by this development, we’ve seen an increased focus on computing education research relating to school education. But is this research having any impact on classroom practice? To what extent are computing lessons in school research-informed?

To understand how research can more effectively impact on actual teaching, we can use a framework known as knowledge mobilisation, defined by Cooper et al as ‘the process through which research and data become integrated (or fail to become integrated) into educational policies and practices.’ In this talk I’d like to explore the various ways that teachers and researchers can work together to facilitate knowledge mobilisation in the computing education context. I will use examples from our experience in England, where we’ve had mandatory computing education in the curriculum for children aged 5-16 since 2014.

"Informatikunterricht - wozu das ganze Theater?"

Prof. em. Dr. Werner Hartmann
Seit der Durchführung der ersten Tagung in Berlin 1984 waren Diskussionen zur Einführung eines Fachs Informatik, zu Lehrplänen und Bildungsstandards und zur Abgrenzung Informatik / Medienbildung wiederkehrende Themen an den INFOS-Tagungen. Die Fachdidaktik Informatik bewegte sich dabei im Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen an Forschung und Entwicklung seitens der Hochschulen und der Realität in der Schulpraxis. Basierend auf den Erfahrungen der letzten 40 Jahre werden im Referat einige teils provokative Thesen zur Zukunft des Informatikunterrichts vorgestellt verbunden mit einem Plädoyer für eine weniger fachsystematische, mehr auf die Menschen in einer digitalen Welt ausgerichteten Sicht. Der Informatikunterricht soll wie das Theater Denkanstösse geben, Perspektiven eröffnen und dazu beitragen, die Welt zu verstehen und zu gestalten.